Alexander Hahn – ein Hochzeitsfotograf im Interview. Alexander Hahn ist ein ausgezeichneter Hochzeitsfotograf aus Hannover, den ich im Jahr 2009 kennenlernte.

Ich kam an einem kühlen Februartag nach Hannover zu Alex ins Studio und er bereitete mir einen warmen Empfang, wofür ich mich hier ganz herzlich bedanken möchte.

Nun zum Interview:

M: Alex, vielen Dank, dass Du heute Zeit für dieses Interview hast.
A: Ja, sehr gerne, schön dass Du da bist.

M: Glaubst Du, dass die persönliche Situation auf die Bildsprache Einfluss hat?
A: Ich glaube schon, man kann ja als Single, aber auch als verheirateter Mann glücklich sein. Aber ich denke schon, sehr wichtig für gute Bilder ist eine persönliche Zufriedenheit und Glückseeligkeit. Was natürlich gute Bilder fördert, ist ein Partner, der Dich unterstützt.

M: Du lebst und arbeitest hier in Hannover, Du hast hier in Hannover Dein Studio. Kannst Du mir ein bisschen was über Deinen Tagesablauf erzählen? Über einen typsichen Alexander Hahn Tag? Einen Wochentag, so wie heute, am Mittwoch.

A: Ein Typischer Tag beginnt damit, viel zu früh von meinen Zwillingen geweckt zu werden und sie zu versorgen und fertig für die Krippe zu machen. Ich bringe die beiden zur Krippe und anschließend fahre ich hier ins Studio, erledige Büroarbeit und kümmere mich um Bildbearbeitung oder Albendesign und empfange meine Kunden. Leider gibt es die Krippenbetreuung nur bis 14 Uhr, weshalb ich die beiden dann abhole und wir entweder nach Hause oder hier ins Studio fahren. Abends, nachdem die beiden wieder im Bett liegen, habe ich dann endlich Zeit für mich.
Ein Mix eben aus Papa und Fotograf sein.

M: Hochzeitsfotografie ist ja Dein Schwerpunkt…
A: … Ja …
M: Was sind denn die weiteren Felder, die Du als Fotograf so beackerst?
A: Also in erster Linie fotografiere ich Menschen. Mode, Katalogfotografie, etc. Das ist dann natürlich eine ganz andere Herangehensweise.  Es gibt ein Lichtsetup, ein Makeup und professionelle Models. Was ich aber auch immer wieder habe, und was sehr schön ist, sind die Babys der glücklichen Paare, deren Hochzeit ich fotografiert hatte und die dann bei mir im Studio sind. Gerade zuletzt hatte ich ein sehr cooles privates Projekt mit meinem Bruder, der Musiker ist für seine CD Cover und die ganzen weiteren Werbebilder dafür.
Aber alles in allem muss man sagen, dass das schöne der Hochzeitsfotografie ist, dass alle anderen Genres der allgemeinen Fotografie in der Hochzeitsfotografie vorkommen. Weil man nämlich Menschen fotografiert. man macht eine Reportage wie ein Journalist, Man fotografiert auch Architektur im weitesten Sinne und das bei dem Wetter, was an dem Tag herrscht und man sich das einfach nicht aussuchen kann. Das ist das Schöne: Es ist von jedem Bereich etwas dabei und wird vereint. Und das macht die Hochzeitsfotografie auch so herausfordernd.

M: Würdest Du sagen, dass die Hochzeitsfotografie in handwerklicher und künstlerischer Hinsicht besonders anspruchsvoll ist?
A: Ja, genau. Ich will mich zwar nicht wichtiger machen als ich bin oder wir Hochzeitsfotografen sind, aber es gibt in meinen Augen nur noch ein Genre, das noch herausfordernder ist als die Hochzeitsfotografie und das ist die Reportage aus Krisengebieten, also die Kriegsreportage. Weil die mit Leid und Gefahr kämpfen, unter Beschuss arbeiten und dennoch geile Fotos liefern sollen. Gleich danach kommen wir. Ich kenne viele Kollegen, die wirklich sehr erfolgreiche Fashion oder Werbefotografen sind und die ich auch sehr schätze, aber wenn ich deren Hochzeitsreportagen sehe, denke ich: Ja, das ist eben nicht eurer Ding, weil es etwas ganz anderes ist, kreativ im Moment zu sein, bei jedem Licht, von hell nach dunkel, von Iso 100 bis 6400 zu arbeiten. Drinnen wie draussen zu fotografieren, bei guten wie schlechtem Wetter, und alles an einem Tag. Karl Lagerfeld z.B. hat seine unzähligen Assistenten, die das Licht aufbauen, das Makeup machen, die Top Models kommen, und er drückt am Ende auf den Auslöser. Es gibt Top Modefotografen wie z.B. Christian Schuller o.a., aber ich glaube, die haben es mit all den Dingen, die sie planen können viel einfacher als wir Hochzeitsfotografen.

M: Ich finde es ganz erstaunlich, dass Du die Parallele von der Kriegsberichterstattung zur Hochzeitsfotografie ziehst, denn genau dieser Vergleich kommt mir auch, sollte ich meine eigene Frage von eben beantworten. Ich bin natürlich auch immer sehr vorsichtig mit diesem Vergleich, da es ja kaum 2 Unterschiedlichere Bedingungen geben kann: Das Glück und das Leid. Aber die Unwägbarkeit der Bedingungen auf der einen und die gewünschte Perfektion auf der anderen Seite findet sich sonst nirgendwo in der Fotografie.
M: Alex, Du hast ja schon sehr viele Hochzeiten fotografiert,…
A: … ja, definitiv …
M: … erinnerst Du Dich noch an Deine erste Hochzeit?
A: Ja, das war 1989.
M: Wow, und wie war das so?
A: Im Nachhinein lache ich darüber. Ich war gerade 18, Schule beendet und war in einem Fotoladen gelandet. Mich hatte die Fotografie von Beginn an fasziniert. Dann fragte mich mein Cousin, ob ich seine Hochzeit fotografieren würde und ich sagte Ja. Heute, gefühlte 100 Jahre später, denke ich: Was hast Du da damals gemacht? Denn mir war zu der Zeit noch gar nicht die Verantwortung die ich da hatte bewusst.
Es ging darum, Bilder im Kurpark meiner Heimatstadt zu machen. Eines der Bilder hing dann – bis zu ihrem Tod – an der Wand meiner Oma und hat mich immer an diesen Tag erinnert. Das Bild war scharf, richtig belichtet und für Oma ganz toll. Heute würde ich sagen: Um Gottes Willen. Die ersten Hochzeiten hatte ich damals mit der Nikon F4 und auf Film fotografiert. Das Thema Reportage gab es zu dieser Zeit noch gar nicht.
M: An welche Tage in Deinem Leben wirst Du Dich immer erinnern?
A: Es gibt mehrere Tage: Die Geburt meiner Zwillinge, aber auch ein Tag, der mit meinem Hobby, nämlich Fussball, das ich früher semiprofessionel betrieben habe, zusammenhängt: Ich kam nach Hause und hatte einen Anruf des Vorsitzenden des Vereins, bei dem ich immer spielen wollte auf dem AB und der sagte: „Meld Dich mal, wir müssen mal wegen der kommenden Saison reden…“ und wo mir in dem Moment bewusst war, dass ich einen Riesenschritt in meiner damaligen Karriere als Fussballer vor mir hatte. Völlig banal eigentlich, aber an den erinnere ich mich heute immer noch.

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M: Erzähl doch mal was von Deiner Fussball Karriere
A: (lacht) Ich spiele Fussball seit dem ich laufen kann und war immer sehr ehrgeizig in allem was ich tue. Ich hatte es bis in die vierthöchste Deutsche Liga geschafft und mit dem Ende der Jugend die Fronten von Torwart zum Stürmer gewechselt. Als Zeitsoldat war ich damals auch in der Bundeswehrnationalelf und habe mit Leuten wie Robert Enke – Gott hab ihn selig – zusammen Fussball gespielt. Dadurch, dass ich keinen Alkohol trinke und nie geraucht habe, war Fussball für mich immer sehr wichtig und ein Ausgleich zu den Jobs, die ich sonst hatte. Die körperliche Fitness und das Mannschaftsgefüge waren mir immer sehr wichtig. Ich bin nicht so der Einzelsportler, ich brauche mehr die Mannschaft und den Teamgedanken.

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M: Der Hochzeitstag ist wohl einer der wichtigsten im Leben. Welchen Einfluss hat der Hochzeitsfotograf Deiner Meinung nach auf die Erinnerungen an diesen Tag?
A: Wenn wir als Hochzeitsfotografen unseren Job sehr gut machen, dann konservieren wir ja Dinge für den Rest des Lebens. Und nach der ersten Euphorie, wenn eines Tages die eigenen Kinder nach der Hochzeit ihrer Eltern fragen, dann ist das sehr wichtig. Ein Beispiel: Meine Oma hat mich damals immer mit ihrem Wunsch, sich alte Bilder und Alben anzuschauen, gelangweilt. Jetzt, nach ein paar weiteren Jahren, sehe ich das ganz anders und denke: Ohne diese Fotos wüsste ich weniger vom Leben meiner Eltern und Großeltern. Wenn wir als Hochzeitsfotografen also schöne Bilder schaffen, können sich auch die weiteren Generationen an den Bildern von diesem Tag erfreuen. Gibt es keine schönen Bilder, dann eher nicht.
M: Wann sind Hochzeitsfotos gut?
A: Sie sind dann gut, wenn sie dem Brautpaar gefallen. Als Künstler wollen wir natürlich Werke schaffen, aber in erster Linie entscheidet die Zufriedenheit des Brautpaars.
M: Versuchst Du, vor der Hochzeit einen Draht zum Brautpaar zu entwickeln?
A: Klar, mir ist es sehr wichtig, das Brautpaar vor der Hochzeit persönlich kennenzulernen. Bei Auslandshochzeiten machen wir das dann per Skype. Einfach um ein Gefühl für die Menschen zu bekommen. Die Menschen kontaktieren mich ja meist aufgrund meiner Bildsprache und da das auch meine Sichtweise der Dinge widerspiegelt, könnte ich auch nix komplett anderes liefern. Sollte ich bei einem Gespräch feststellen, dass ein Paar meine Bilder gar nicht genau betrachtet hat oder sich eigentlich etwas anderes wünscht, kann es auch schon einmal vorkommen, dass ich von einer Buchung Abstand nehme. Das geschieht aber höchst selten.

M: Ich würde Dir nun gerne einige Begriffe nennen und Dich bitten mir zu sagen, was Dir dabei als erstes in den Sinn kommt.
A: OK
M: Paderborn
A: (lächelt) Schwarz
M: Familie
A: Alles
M: Bruder
A: Auch alles
M: Hannover
A: Wahlheimat
M: Strand
A: Entspannung
M: Sonnenuntergang
A: Romantik

M: Wenn man mich fragt, wovon ich einer Braut abraten würde, währen es in erster Linie eben die Reifröcke. In 100% der Fälle. Wenn ich das mal mache, höre ich meist als Antwort: „Die werden mir aber überall empfohlen“.

Nun meine Fragen an Dich zum Thema: Worauf sollte ein Brautpaar achten? (nun abgekürzt als WseBa)

M: WseBa bei der Wahl der Location für die Feier?
A: Das Brautpaar muss die Location sehen und sich dort wohlfühlen und sagen: Ja!
M: WseBa bei der Wahl für den Ort der Trauung? Also Stichwort Kirche, Freie Trauung, etc. Hast Du da Präferenzen?
A: Definitiv. Ich bin ein richtig großer Freund und Verfechter von freien Trauungen. Bei kirchlichen Trauungen kommt meist nur dann ein wirkliches Gefühl herüber, wenn das Paar eine persönliche Beziehung zur Pastorin/Pastor hat. Bei freien Trauungen muss ich oft schlucken, weil alles sehr persönlich und eben viel offener ist.
M: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das Wetterfenster für freie Trauungen sehr klein ist. Dem Brautpaar wird meistens von der freien Trauung abgeraten, wenn die Temperaturen sich nicht zwischen 22 und 27 Grad bewegen, es windstill ist und ein eben absolut mildes Klima garantiert werden kann. In dem Augenblick, in dem die Sonne zu stark scheint es besonders warm ist oder windig werden könnte, oder auch nur Wolken am Himmel zu sehen sind, die Regen auch nur möglich machen, wird die Trauung nach drinnen verlegt. Was würdest Du einem Braupaar empfehlen?
A: Man sollte schon bei der Besichtigung der Location darüber nachdenken: „was wäre wenn?“. Natürlich träumt man von einer Trauung draußen und bei perfekten Bedingungen, mir geht es aber eher um die Zeremonie selbst. Eine tolle Zeremonie kann fast überall stattfinden. Die eigentliche Zeremonie ist mir wichtiger als die Frage, ob drinnen oder draußen.
M: WseBa Kleid
A: Ich würde mir wünschen, dass einige Bräute mehr Mut zur Schlichtheit hätten. Ich fotografiere auch für die Hannoveraner Modedesignerin Rike Winterberg. Schlicht, elegant und die Person kommt zum Tragen.
M: Das unterschreibe ich sofort.
A: Oder, wenn es denn ein besonderes Kleid sein soll, dass es dann auch wirklich etwas Besonders ist.
M: Manche Bräute erzählen mir, dass sie beinahe bei jedem Kleid, das sie ausprobiert haben, von den Verkäufern hörten: „Wunderschön, Sie sehen toll aus“. Was wenig hilfreich ist.
A: So ehrlich, wie ich mit meinen Kunden bei der Fotografie umgehe, würde ich mir auch diese Beratung wünschen. Am besten wäre es vielleicht, die Mädels nehmen einige Vertraute mit zum Shopping.
M: Worauf sollte ein Brautpaar bei der Wahl eines Hochzeitsfotografen/ einer Hochzeitsfotografin achten?
A: Matthias, ganz einfach: wer Dich oder mich bucht… lacht 😉 Ja, worauf sollte man achten? Als allererstes müssen einem die Bilder und deren Handschrift und Stil gefallen und das wichtigste ist dann einfach noch den Menschen hinter der Kamera kennenzulernen. Es nutzt ja nix, wenn der Fotograf später die Hochzeit stört. Es ist ein Familienfest und meist sind wir Fotografen die einzig Fremden. Da muss ein Brautpaar das Vertrauen haben, dass wir es nicht nur fotografisch, sondern auch menschlich gut lösen. Sprich eben: unauffällig sind, freundlich sind, immer aufmerksam sind und einfach unseren Job machen.
M: Was ist anstrengender? Eine Hochzeit oder ein wichtiges Fussballspiel mit Verlängerung und Elfmeterschiessen?
A: Hochzeiten finden bei mir auf Profi Niveau statt, als Fussballer kann ich das nicht so beurteilen, denn ich war ja Semi-Profi. Beim Fussball spricht man gerne von antizipieren, davon eine Situation vorauszuahnen. Bei einer Hochzeitreportage muss ich das die ganze Zeit tun, um den Moment zu treffen, um die tollen Bilder zu machen.
M: Also kann man sagen: Auch ein richtig gut trainierter Sportler ist nach einer Hochzeitreportage, egal ob 8- , 9- oder 12 Stunden platt!?
A: Ja, definitiv.
M: Worauf freust Du Dich in diesem Jahr?
A: Auf viele schöne Hochzeiten, auf ein schönes ruhiges Jahr einfach.
M: Was wirst Du machen, wenn ich mich gleich verabschiede?
A: Einen schönen Nachmittag mit meinen Kindern verbringen.
M: Liebe Alex, dann möchte ich mich ganz herzlich für Deine Zeit und dieses Interview mit Dir bedanken.
A: Ja, sehr gerne.

Wenn Sie Alexander Hahn und seine Arbeit noch besser kennenlernen möchten, dann empfehle ich Ihnen seine Website zu besuchen: www.hochzeitsfotograf-alexander-hahn.de

 

Wenn Sie Alexander Hahn und seine Arbeit noch besser kennenlernen möchten, dann empfehle ich Ihnen seine Website zu besuchen: www.hochzeitsfotograf-alexander-hahn.de